Vitamin A: Nutzen oder Risiko?

Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln am Beispiel von Vitamin A

In einem unserer älteren Beiträge haben wir schon einmal über Vitaminpräparate berichtet. („Unnötige Nahrungsergänzungsmittel“):

2012 hat der Verlag „Öko-Test“, der Konsumenten umfassenden, vorbeugenden Verbraucherschutz bietet, 49 verschiedene Vitaminpräparate unter die Lupe genommen. Dabei fielen Dreiviertel der Testurteile „mangelhaft“ aus. Viele Präparate sind nämlich viel zu hoch dosiert. Vor allem bei Vitamin A, Niacin, Folsäure, und den Spurenelementen Zink, Eisen und Mangan wurden die Empfehlungen für Risikobewertung (gemäß BfR) weit überschritten. Eine solche Überdosierung, vor allem an Vitamin A und D liegt auch in vielen als gesund beworbenen Lebensmitteln vor. BfR und foodwatch raten, ganz aktuell, dringend von einer (künstlichen) Anreicherung von Lebensmitteln mit diesen Vitaminen ab.

Doch was genau passiert eigentlich, wenn man eines der oben genannten Nährstoffe, z.B. durch die Einnahme von synthetischen Nahrungsergänzungsmitteln überdosiert?
Am Beispiel von Vitamin A erklären wir, welche Folgen bei einer Überdosierung auftreten können und wie schädlich eine Überdosis Vitamin A tatsächlich sein kann.

Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin, das strenggenommen eine ganze Stoffgruppe beschreibt. Diese umfasst Vitamin A1, auch bekannt als Retinol sowie Retinal, Retinsäure und Retinylpalmitat.
Dabei kann Vitamin A auf zwei verschiedenen Wege über unsere Nahrung aufgenommen werden: direkt durch den Verzehr tierischer Lebensmittel oder indirekt durch pflanzliche Nahrung und die Umwandlung von darin enthaltenem Provitamin A (Carotinoide) in Vitamin A. Besonders reich an Vitamin A sind tierische Lebensmittel wie Milch, Eigelb, Rinderleber und Fisch. Provitamin A dagegen, ist vor allem in orangefarbenden Obst und Gemüse wie Karotten, Aprikosen, Grünkohl und Kürbis vorhanden.
Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu der direkten Aufnahme von Vitamin A durch tierische Produkte, wird Provitamin A nur bei Bedarf vom Körper in Vitamin A umgewandelt.

Grundsätzlich ist Vitamin A in unserem Körper für die Aufrechterhaltung unterschiedlicher Prozesse verantwortlich. Beim Sehen und innerhalb unseres Immunsystems, spielt Vitamin A eine ebenso wichtige Rolle wie beim Wachstum und den Aufbau der Knochen in der Kindheit.
Die Tagesempfehlung für einen gesunden Erwachsenen (Schwangere sollte andere Tagesdosen berücksichtigen) liegt bei rund 0,5 Milligramm Vitamin A und 1 Milligramm Provitamin A sowie bei 2 Milligramm Provitamin A für Vegetarier und Veganer. Gedeckt werden kann dieser Bedarf bspw. durch den Verzehr von 95g Karotten, das entspricht etwa einer mittelgroßen Möhre.

Durch die tägliche Einnahme von synthetischen Vitamin A-Ergänzungspräparaten oder durch den Verzehr zu vieler tierischer Lebensmittel (v.a. beim vermehrten Verzehr von Leber) kann eine Überdosis an Vitamin A, eine sogenannte Hypervitaminose, auftreten. Eine solche Überdosis kann aber tatsächlich nur durch Vitamin A direkt, nicht aber durch die Aufnahme von Provitamin A aus Obst und Gemüse herbeigeführt werden. Denn – wenn wir zu viel Provitamin A (Carotinoide) aus Obst oder Gemüse zu uns nehmen, stellt der Körper die Umwandlung in Vitamin A ganz einfach ein. Zu den möglichen Folgen einer Hypervitaminose können Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Haarverlust und sogar Bluthochdruck bei Langzeiteinnahme von Nahrungsergänzungspräparaten oder z.B. überdurchschnittlichen, andauerndem Leberverzehr gezählt werden.

Vor dem Verzehr von synthetischen Vitaminpräparaten, die Vitamin A enthalten, sollte daher in jedem Fall ein ärztlicher Rat eingeholt werden.
Für allgemeines Wohlbefinden und die Unterstützung der körpereigenen Prozesse ist es aber ohnehin viel besser und in aller Regel völlig ausreichend, einfach zu Obst und Gemüse bzw. Produkten, die direkt aus Obst und Gemüse gewonnen werden (z.B. Karottensaft) zu greifen. Diese enthalten reines Provitamin A und können bedenkenlos und auch in großen Mengen verzehrt werden.

Du möchtest mehr über Vitamin A und Provitamin erfahren, dann schau doch in unserem Lexikon vorbei:
Vitamin A 
Beta-Carotin/ Provitamin A

Quelle:
Gesundheit.de, „Vitamin A: Folgen von Mangel und Ernährung“, Online verfügbar, Stand vom 05.04.2016.
foodwatch, die essensretter, „Studie: Mit Vitaminen beworbene Lebensmittel sind ungesund“, Online verfügbar, Stand vom 06.04.2016.
Eat a Rainbow, „Unnötige Nahrungsergänzungsmittel“, Online verfügbar, Stand vom 06.04.2016.