Nachgefragt: Interview mit Ernährungsexpertin

Wie man auch beim Grillen auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten kann? Wir haben nachgefragt bei Christina Wiedemann. Die Diplom-Ökotrophologin ist Expertin und hat bereits erfolgreich mehrere Bücher im Bereich Ernährung und Gesundheit veröffentlicht.

Was bedeutet für Dich gesund mit Deiner Familie und Freunden zu grillen?
Grillen ist bei uns ein heiß geliebtes Vergnügen. Sobald es die ersten warmen Sonnenstrahlen zulassen, essen wir so oft es geht unter freiem Himmel und laden gern zum Grillabend ein.

Gesunder Grillgenuss bedeutet für mich in erster Linie hochwertige Qualität und natürliche Lebensmittel. Lieber etwas weniger Fleisch, dafür vom regionalen Fleischerzeuger idealerweise aus artgerechter Tierhaltung. Dazu saisonales Gemüse wie Spargel, Zucchini, Auberginen oder Fenchel – verfeinert mit etwas Olivenöl und frischen Kräutern wie Rosmarin, Salbei oder Thymian. Auch der Nachtisch kommt bei uns vom Grill, zum Beispiel gegrillte Ananas, Wassermelone oder eine Banane mit Schale, die dann aus der Schale gelöffelt wird. Wenn Freunde eingeladen sind, wird auch der Erdbeer-Crumble vom Grill serviert.

Worauf sollte man bei der Auswahl des Grillguts achten, um sich gesund zu ernähren?
Grillen ist nicht nur eine köstliche, sondern auch nährstoffschonende Zubereitungsart, die ohne zusätzliches Fett auskommt. Damit das so bleibt, solltest Du wissen, dass eine Bratwurst nun einmal mehr Fett als ein mageres Stück Rind oder Geflügel enthält. Wenn Du Steak und Würstchen mit einer ordentlichen Portion Gemüse begleitest, bist Du bestens mit Vitalstoffen versorgt.

Für den Grill gut geeignet sind beispielsweise Auberginen, Zucchini, Paprika, Fenchel, Zwiebeln – aber auch Spargel oder Kürbisspalten. Für Abwechslung im Grill-Alltag sorgen bunte Gemüsespieße, gegrillte Avocadohälften sowie gefüllte Champignons oder Tomaten. Wichtig ist es, das Gemüse immer in einer (wiederverwendbaren) Grillschale zu grillen, damit nichts in die Glut tropft und das Gemüse nicht so leicht verbrennt.

Grundsätzlich gilt: Je weniger Flüssigkeit die Gemüsesorten enthalten, desto besser sind sie zum Grillen geeignet. Kartoffeln und Mais sollte auf jeden Fall vorgekocht werden. Damit der Geschmack und möglichst viele Vitamine erhalten bleiben, sollte das Gemüse nicht bei zu hohen Temperaturen und schonend „indirekt“ gegrillt werden. Beim indirekten Grillen liegt das Grillgut nicht direkt auf der Glut und wird bei geschlossenem Deckel mit geöffneter Luftzufuhr gegart.

Welche Möglichkeiten gibt es, auch bei den Beilagen auf gesunde Zutaten zu achten?
Gemüse kannst Du auch wunderbar als Beilage reichen. Dazu eignen sich bunte Blattsalate mit Gemüse wie Gurken, Tomaten, Radieschen, Mais oder Bohnen. Das sorgt für ein Plus an Vitaminen und Mineralstoffen. Wer es mediterraner mag, kann eingelegtes Gemüse wie getrocknete Tomaten, weiße Bohnen oder Oliven zufügen. Auch Klassiker wie Kartoffel- oder Nudelsalat werden durch knackiges Gemüse und frische vitalstoffreiche Kräuter aufgewertet. Wenn Du den Salat mit Nüssen oder Samen wie Sonnenblumen- oder Kürbiskernen toppst, lieferst du Deinem Körper zusätzlich wichtige Mineralstoffe und gesunde Fette. Für einen Extra-Kick an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen kannst Du das Dressing für Deinen Salat zusätzlich mit den Eat a Rainbow Produkte verfeinern.

Hast Du noch einige spezielle Tipps fürs gesunde Grillen mit Kindern?
Auch wenn Kinder besonders gern Wiener Würstchen mögen – zum Grillen sind sie, wie übrigens alles Gepökelte, ungeeignet. Kasseler, Fleischwurst, Leberkäse oder Schinkenspeck haben auf dem Rost daher nichts zu suchen. Bei starker H
itze können sich aus dem im Pökelsalz enthaltenen Nitrit Krebs erregende Nitrosamine bilden.

Kann ein gutes Stück Fleisch Vorteile bieten?
Gegen ein hochwertiges Stück Fleisch ist nichts einzuwenden. Es enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe wie Eiweiß und B-Vitamine und liefert gut verfügbares Eisen. Rindfleisch aus artgerechter Haltung mit Grünfütterung enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Allerdings solltest Du es in Maßen genießen. Kombiniert mit allerlei vegetarischen Köstlichkeiten kommen alle auf ihre Kosten. So wird das Bruzzeln zum gesunden Genuss.

Worauf sollte man noch beim Grillen achten?
Wenn‘s beim Grillen zischt und die Flammen emporsteigen, mag das für eine romantische Lagerfeuerstimmung sorgen. Für ungetrübten Grillgenuss solltest Du aber Rauchentwicklung vermeiden. Rauch entsteht, wenn Fett auf die Kohle tropft. Dabei können sich gesundheitsschädliche Stoffe, wie das Krebs erregende Benzpyren bilden.

Außerdem solltest Du alles Verbrannte abschneiden. Denn: In den schwarz verbrannten Teilen stecken gesundheitsschädliche Stoffe wie heterozyklische aromatische Amine (kurz: HAA), die als krebserregend gelten. Grillen mit wiederverwendbarer Grillschale ist ideal. Das abtropfende Fett oder die Marinade sammelt sich in den Rinnen der Schale und gelangt nicht in die Kohle.

Unsere Ernährungsexpertin:
Christina Wiedemann liegt die Qualität von Lebensmitteln besonders am Herzen. Ihre Liebe und Leidenschaft für dieses Thema bringt die Autorin auch auf ihrem Blog www.mehrlebensqualitaet.com zum Ausdruck. Ökotrophologie hat sie an der TU München-Weihenstephan studiert und ist außerdem zertifizierte Yoga-Lehrerin. In ihrem aktuellen Buch „Beauty Food“ gibt sie Tipps und Rezepte zu den besten Schönheits-Lebensmitteln.