Ist das Kunst oder kann man das essen?

Maria Turner wirkt etwas verschroben:

Um ihren Alltag interessant zu gestalten, unterwirft sich die Künstlerin bestimmten Zwängen – etwa eine Woche lang jeden Tag ausschließlich Speisen einer bestimmten Farbe zu essen. Klingt verrückt? Ein bisschen schon. Allerdings ist Maria Turner keine lebende Person, sondern eine Figur in Paul Austers Roman „Leviathan“. 

Inspiriert von dieser Idee haben sich die Designer Caro Mantke und Tim Schober zusammen mit Architektin Tatjana Reimann daran gemacht, zwölf farbige (Monats-) Menüs mit Speisen und Getränken zu entwickeln und in einem Kochbuch* zusammenzufassen. Die Menüs der drei Hobbyköche sehen aber offensichtlich nicht nur gut aus, sondern schmecken auch – von Weiß im Januar bis Braun im Dezember. Die Farbauswahl für jeden Monat orientiert sich am saisonalen Angebot an Zutaten. Im Januar (ganz in Weiß wie der Schnee) stehen beispielsweise Seezunge in Weißweinsoße und Panna cotta auf dem Speiseplan, im Februar dreht sich alles um Schwarz.

Wie es weitergeht? Es wird in jedem Fall deutlich bunter: Auf Beige (März), Hell-grün (April) und leuchtendes Gelb (Mai) mit Linsensuppe, Ravioli und Zitronentarte folgen knallige Farben im Sommer. Der Juli steht im Zeichen von sattem Grün (Minze, Mangold und Ruccola), im August ist ein kräftiges Rot an der Reihe. Ab September (Violett) stehen die abgetönten Farbtöne im Mittelpunkt: Orange im Oktober (Kürbisse, Süßkartoffeln und Herbstlaub) und Dunkelrot im November mit dunkelrotem Steak und Rote-Bete-Carpaccio. Den Jahreskreis schließt im Dezember ein Braunton, passend dazu Rehbraten, Champignons und Nüsse.

Ganz einfach war die Umsetzung nicht – vor allem die gewünschten Effekte ohne Lebensmittelfarben zu erzielen –, denn viele Zutaten verändern bei der Verarbeitung mehr oder weniger ihre Farbe. Zum Abgleich setzten die Autoren einen Farbfächer ein, um die einzelnen Töne tatsächlich möglichst exakt zu treffen. 

Ob monochrome Menüs eintönig schmecken? Ganz und gar nicht, im Gegenteil – so lautete das Urteil der Menü-Erfinder. Ganz einfach ist diese Art des Kochens nicht, sie erfordert Aufmerksamkeit und Geduld. Der Lohn der Mühen? Ein neuer, anderer Blick aufs Essen, auf Zutaten, intensivere Geschmäcker und Kochprozesse.

Eine Farbe hat es nicht ins Kochbuch geschafft: das Blau. Warum? Blau assoziiert der Mensch beim Essen eher mit Gefahr. Wer sich unterbewusst an blauen Schimmel, giftige Beeren oder Pilze erinnert fühlt, lässt blaue Kekse lieber liegen. Anders bei Getränken: Die Farbe des Wassers steht hier für Frische und Reinheit. 

* Tatjana Reimann, Caro Mantke, Tim Schober: Kochen nach Farbe, 12 Farben – 12 Menüs, Prestel Verlag (2018)

Quellen: faz.net / stern.de