Die neue „Essthetik“ – oder: Das Auge isst mit

Nein, wir haben uns hier nicht vertippt:

Bei „Essthetik“ handelt es sich vielmehr um die Wortkombination aus Essen und Ästhetik. Diese steht für die zugegebenermaßen nicht ganz so neue Erkenntnis, dass das Auge doch irgendwie immer mitisst. Neu hingegen ist für die Wissenschaft*, dass vor allem Farben einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Geschmackswahrnehmung haben. 

Beobachtet hat diesen Trend auch die renommierte Food-Expertin Hanni Rützler (Food-Report 2017) und sieht ihn als wichtigen Einflussfaktor für die Gastronomie-Branche: Neben der Qualität der verwendeten Zutaten, dem Stil und Können des Kochs sowie der Erfahrung des Servicepersonals kann ein gelungenes Design von Gasträumen und Tischware – das idealerweise die Küchenphilosophie wiederspiegelt – maßgeblich zum kulinarischen Gesamterlebnis beitragen.

Mit blauem Besteck schmeckt‘s salziger Ob im Restaurant oder auch in den eigenen vier Wänden: Raumatmosphäre, Beleuchtung und Tisch-Accessoires haben nachweislich Einfluss darauf, wie wir den Geschmack dessen, was wir essen, wahrnehmen. Auch die Farbe des Essgeschirrs bzw. -bestecks spielt dabei eine Rolle: So hat sich gezeigt, dass Speisen, die man mit blauen Löffeln ist, salziger schmecken – während weiße Löffel die Wahrnehmung von Cremigkeit verstärken, dabei die Speisen aber weniger süß wirken lassen als etwa schwarze Löffel. 

Maßgeblich beeinflusst wird unsere Wahrnehmung durch Teller und Besteck, da sie mit den Speisen unmittelbar in Kontakt kommen – ähnliche Effekte ergeben aber auch die Farben von Tischen ebenso wie der verwendeten Materialien an Wänden, Böden und Decken.

Während weiße Tischdecken und Gastro-Silber eher durch ihre funktionalen Eigenschaften bestechen, steht beispielsweise bei gesättigten Farben sowie Materialien wie etwa Eisen oder Kupfer das individuelle Design im Vordergrund. 

Und das kann richtig eingesetzt wiederum viel über die Küche verraten: von klassisch-bodenständig bis abenteuerlich-innovativ. Zu letzteren zählt eindeutig das Geschirr, das der baskische Küchenchef Juan Mari Arzak in seinem Restaurant verwendet: Teller und Schalen beginnen nämlich zu leuchten, sobald sie mit Speisen oder Flüssigkeiten in Berührung kommen. 

Schönheit steht für das Gute und Wahre Woher dieses Phänomen, dass Design bzw. Farben den Geschmack beeinflussen, rührt? Ein möglicher Erklärungsansatz lautet, dass in der Kunst und Philosophie bereits seit der Antike die Schönheit mit dem Guten und Wahren verbunden ist. Das heißt: Das Schöne scheint immer auch das Bessere zu sein. Was wir als „schön“ empfinden, liegt dabei im Auge des Betrachters – zumal heute unterschiedliche Schönheitsbegriffe nebeneinander existieren. 

Auch eine Möglichkeit:  Lass’ Blumen sprechen! Wer das Zimmer mit einem bunten Strauß dekoriert, kann ebenfalls unterschiedliche Stimmungen kreieren: Während rote Blüten im Allgemeinen für Mut und Energie stehen, vermitteln blaue Reinheit und aufrichtige Freundschaft. Wer violett wählt, bringt Frieden, Demut, Großzügigkeit und Respekt zum Ausdruck; orange zeigt Freude, Fröhlichkeit und eine Ausgewogenheit des Geistes. Weiße Blumen symbolisieren Reinheit, Unschuld, Freude, Trost und Eleganz; gelbe das Glück, geliebt zu werden und zu lieben.

* Studien der Wageningen Universität (Niederlande) und der Oxford University (Großbritannien) Quelle: zukunftsinstitut.de